Maori & Europäer
Während sich die europäische Zivilisation noch Sorgen darüber machte, bei Seefahrten vom Rand der Erde zu fallen, erkundeten die Maori mit Kanus den Pazifischen Ozean. Die Maori haben Neuseeland als eines der letzten vom Menschen unberührten Habitaten im 13. Jahrhundert erstmals besiedelt. Der Ursprung der Maori liegt in Polynesien, einer Inselgruppe, die sich mit über 1.000 Inseln von Hawaii bis Neuseeland erstreckt. Heute sind 14% der Einwohner Neuseelands Maori, und die Kultur ihrer Vorfahren trägt zu einem großen Teil zum heutigen way of life in Neuseeland bei.
Sichtbar ist vor allem die Kunst der Maori, die sich in Form von Schnitzereien, Weberei, Tätowierungen (Moko), Redekunst (Whaikorero) und der Gruppendarbietung Kapa Haka äußern. Auch die Namen vieler Städte erinnern an die Sprache der Maori (Te Reo Maori).
Hier ein kleiner Einstieg in die Sprache der Maori:
Kia ora = Guten Tag!
Kia ora tatou = Hallo an Alle
Tena koe = Ich grüße dich
Tena koutou = Ich grüße euch
(nau) mai = willkommen
Kei te pehea koe = Wie gehts?
Kei te pai = Gut
Tino pai = Wirklich gut
Haere ra = Lebewohl
Ka kite ano = Auf Wiedersehen
Hei konei ra = Bis später
Die Europäer entdeckten Neuseeland recht spät. Der niederländische Seefahrer Abel Tasman landete 1642 an der West Coast, einer Region auf der Südinsel.
Noch bevor er eine Erkundungstour in der Golden Bay starten konnte kam es zu ersten blutigen Auseinandersetzungen zwischen Maori und Europäern. Danach wurden erst 1769 wieder
Expeditionen gestartet, und James Cook (England) traf mit seinem Schiff in der Poverty Bay in Neuseeland ein. Es gab wieder Auseinandersetzungen mit den Maori, aber auch erste erfolgreiche Annäherungsversuche. Nun wanderten vor allem Walfänger, Robbenfänger und später auch Missionare nach Neuseeland ein, von denen einige sehr enge Kontakte zu den Maori hegten und friedlich unter ihnen lebten.
Durch den Erwerb von Schusswaffen bestärkt, kam es zwischen 1829 und 1835 zu den Musketenkriegen (musket wars) zwischen verschiedenen Maori Stämmen. Auch durch von Europäern eingeschleppte Krankheiten, gegen die die Maori nicht resistent waren, wurde die Anzahl der Urbevölkerung dezimiert. In den 1820ern kam es auch noch zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Maori und "den Weißen".
Am 28. Oktober 1835 wurde von 30 Maori-Anführern die Unabhängigkeitserklärung (Declaration of the Indepenende of New Zealand) unterschrieben, die aber nur bis 1840 anhielt. Die britische Krone wollte nämlich verhindern, dass die Franzosen Kolonien gründeten, und sah die "Vereinigten Stämme" der Maori für zu schwach an, um das zu bewerkstelligen. Deshalb rief der britische Generalgouverneur William Hobson die Maori zu einer Versammlung in Waitangi auf, wo am 6. Februar 1840 der Vertrag von Waitangi unterzeichnet wurde. Dieser Vertrag gilt als Geburt des modernen Neuseelands. Er band Neuseeland an die britische Krone, wodurch die Maori zwar ihre Souveränität aufgaben, aber auch Bürgerrechte erwarben. Die Maori durften ihre Ländereien behalten.
In der folgenden Zeit (nach 1840) warb Neuseeland um Einwanderer. In dieser Kolonialzeit wurden zahlreiche Städte gegründet und nach einer friedlichen Zeit des Zusammenlebens kam es letztlich wieder zu Konflikten zwischen Maori und Weißen, weil diese immer mehr Land benötigten. In Northland kam es 1840 zum Krieg, der die bis 1860 anhaltenden "Neuseelandkriege" einleitete. Diese erstreckten sich über das ganze Land und dezimierten die Zahl der Maori von über 120.000 (im Jahr 1820) auf 44.000 (1891).
Schließlich bevölkerten die Europäer ganz Neuseeland und entdeckten 1861 die großen Goldvorkommen der Südinsel. Um zu verhindern, dass die Bewegungen dort zur politischen Eigenständigkeit der Südinsel führten, wurde die ursprünglich in Russel gelegene Hauptstadt über Auckland nach Wellington verschoben. Seit 1852 verwaltet sich Neuseeland dank des New Zealand Constitution Act ziemlich selbstständig. 1867 erhielten die männlichen Maori das Wahlrecht und Sitze im Parlament. Als erstes Land führte Neuseeland am 18. September 1893 das Frauenwahlrecht ein.
Im Jahre 1901 verweigerte Neuseeland einen Beitritt zum Commonwealth of Australia und blieb bis 1907 eine Kolonie. Während der Kolonialzeit war Neuseeland ein treues Mitglied der britischen Krone.
Das moderne Neuseeland (Politisches System)
Am 25. November 1947 ermächtigte der Statue of Westminister Act eine vollständige Souveränität Neuseelands, das mit dem Commonwealth of Nations verbunden blieb.
Heute ist Neuseeland eine unabhängige parlamentarische Monarchie mit nur einer Kammer und ohne ein Oberhaus. Der Constitution Act von 1986 ernannte das Staatsoberhaupt von Großbritannien und Nordirland als gleichzeitigen König bzw. Königin von Neuseeland (heute Königin Elizabeth II), aber die eigentliche Regierung bilden der neuseeländische Premierminister und sein Kabinett. Der Premierminister ernennt als Staatsoberhaupt einen Generalgouverneur (Anad Satyanand, 2006), der aber keine Macht über das Parlament besitzt. Sitz von Parlament und Regierung sind in der Hauptstadt Wellington.
Das Kabinett muss sich vor dem Parlament verantworten und bildet die Exekutive Neuseelands. Vorsitzender des Kabinetts ist der Premierminister.
Die Legislative bildet das Parlament, welches nur eine einzige Kammer (House of Representatives) mit 120 Mitgliedern hat. Ähnlich wie im Deutschen Bundestag gibt es eine Mischung aus Persönlichkeits- und Verhältniswahl, wobei die Abgeordneten entweder in einem Wahlkreis direkt oder indirekt (durch Stimmabgabe für die Partei) gewählt wird. Den Maori werden dabei speziell einige Sitze reserviert, die aber auch für die "normalen" Sitze abstimmen oder kandidieren dürfen. Das Parlament wird alle drei Jahre durch Wahlberechtigte ab 18 Jahren gewählt.
Die neuseeländische Judikative setzt sich zusammen aus dem Supreme Court, dem Court Of Appeal, dem High Court, mehreren District Courts und anderen, kleineren Gerichten. Die Grundlagen des neuseeländischen Rechts werden von dem englischen Common Law und Statuen aus dem britischen Parlament (vor 1947, z.B. die Bill of Rights) und neuseeländischen Parlament gebildet.
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